Die Perle des Mondes
Langsam stieg die dünne Sichel des Mondes den Himmel empor.
Kalt erleuchtete sie die kahle Erde unter sich. Beleuchtete hier und da einen Baum und zwischen den Schatten ein paar umgeknickte Kreuze. Diese waren schon langsam vergessen worden, niemand erinnerte sich ihrer nach dem Krieg.
Selbst die wunderschöne Abtei wurde zerstört. Sie war mal ein großes Pilgerziel gewesen, das Totengewand der Mutter, ihr war die Abtei gewidmet gewesen, doch selbst der Krieg ist darüber hinweg gefegt.
Die Mönche versuchten damals noch all die Verletzten zu pflegen und die Toten auf ihrem Friedhof zu begraben, doch dann wurden auch sie Opfer der Zerstörung.
Die Wilden fegten mit einem Gebrüll über das Land und brannten alles nieder. Ale Männer wurden niedergemetzelt, Mütter von ihren Kindern getrennt, und wozu?
Was suchten die Wilden aus dem Norden? Nicht das Grabtuch der Mutter und auch nicht ihre menschlichen Überreste.
Nein, es war wertvoller. Die Perle des Mondes.
Doch niemand wusste mehr wo sie zu finden war, alle hatten es mit in ihr Grab genommen.
Nachdem die Wilden alles vernichtet hatten und immer noch nicht das gefunden hatten, was sie wollten, verließen sie das Land, doch sie hinterließen Angst und Verzweiflung, Zerstörung und Tod.
Lange würde es dauern, bis alles wieder halbwegs aufgebaut war. Viel Zeit würde es kosten die Angst zu vertreiben und die Toten zu beweinen.
Ja, die Toten haben es gut. Sie haben alles hinter sich gelassen, sie spüren den Schmerz nicht mehr.
Ein paar verwelkte Blumen liegen noch auf einem Grab bei der Abtei. Auf dem Kreuz ist noch schwer ein Name zu lesen. Garl.
Er hatte lange in der Abtei gearbeitet. Im Krankenzimmer hatte er die Verletzten geheilt. Die Mönche hatten immer seine Fähigkeiten bewundert, wie er einfach seine Hand auf die Wunde eines Verletzten legte und diese dann sofort heilte.
Viele hatten ihn beneidet, hatten ihre Fähigkeiten versteckt, verleumdet und gaben der Mutter die Schuld.
Trugen sie eigentlich auch Verantwortung für den Untergang des Landes?
Die Eifersucht und die Habgier ließ selbst die Unschuldigen zu Mördern werden. Waren es eigentlich wirklich die Wilden oder war es der Neid.
Der Neid, der alles auffraß, der sich durch die kleinsten Winkel der Welt zwängte, der die Luft verpesstete und Hass in den Herzen der Menschen säte.
Wird er eigentlich jemals enden, der Neid?
Wird es irgendwann mal eine Zeit geben, in der wir den Anderen auch einmal etwas gönnen?!
Denn das ist die Perle des Mondes, die Liebe, Zufriedenheit, Glück, und Freude.
Bewahrt sie gut, haltet sie in euren Herzen fest, damit die Wilden sich nicht ihrer bemächtigen.
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geschrieben 2005 in der Projektwoche meiner Schule, zu dem Bild “Abtei im Eichenwald” von Casper David Friedrich.


So schöööön *schmacht*!!! Als angehende Kunsthistorikerin kann ich natürlich ohne Ende von der Romantik und C.D.Friedrichs Gemälden schwärmen und mit diesem Prosatext hast du die geniale Kunst mit der nicht minderen ausdrucksstarken Schönheit der Sprache dem Gemälde eine Geschichte eingehaucht. Das ist Stoff für einen richtig guten Roman, ehrlich! Dann mit allem Drum und Dran, keine kurzen knappen Sätze, sondern Herr der Ringe-like mit schönen Beschreibungen. Überleg es dir, also ich würde es schon mal lesen ^^